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Terror

 

Schauspiel von Ferdinand von Schirach

 

Ein großartiges und glänzend dargebotenes Schauspiel mit einem vom Publikum bestimmten Ende. Die eine oder andere vorgefasste Meinung, wurde durch die Argumentation der Verteitigung oder der Staatsanwaltschaft, sicherlich noch korrigiert. Ein bemerkenswerter Theaterabend. Er hätte ein volles Haus verdient

 

 

 

Die Presse schreibt:

 

Vom Wert eines Menschenlebens

 

Beim Theaterstück "Terror" urteilten die Gäste in der Rheinhausen-Halle über einen

Kampffliegerpiloten, der ein gekapertes voll besetztes Passagierflugzeug abschoss

 

Kann sich ein Einzelner über das Gesetz stellen, und ein vollbesetztes Flugzeug abschießen, wenn es dazu dient, , einen größeren Anschlag auf ein mit 70.000 Menschen gefülltes Stadion mit dieser Aktion zu vereiteln? Was ist in dem Moment mit der Würde der im Passagierflugzeug befindlichen und vom Kampfflieger getöteten Menschen? Kann man Menschenleben mit Menschenleben aufwiegen? Diese Frage beschäftigten knapp 500 Zuschauer bei dem Theaterstück "Terror" von Ferdinand von Schirach in der Rheinhasen-Halle. Das Besondere: Das Publikum agiert als Schöffengericht und durfte in der Pause, nach der Beweisaufnahme quasi, abstimmen, ob der Kampffliegerpilot, der das Passagierflugzeug eigenmächtig abschoss, nach geltendem Recht zu verurteilen ist.

 

Nun um es vorwegzunehmen: 273 Rheinhauser Schöffen stimmten für "unschuldig", lediglich 76 der teilnehmenden Zuschauer plädierten für eine Verurteilung des Kampfpiloten, Lars Koch, gespielt von Christian Mayer. So ist das Urteil ähnlich wie bei der bundesweiten Abstimmung, nachdem das Kammerspiel "Terror" mit Martina Gedeck als Staatsanwältin im Fernsehen gezeigt wurde - also erwartbar. Dabei führt die Staatsanwältin Nelson, gespielt von Annett Kruschke, ein eingehendes Plädoyer für die Moral und die Prinzipien des Staates, die im Grundgesetz verankert sind.

 

"Verurteilen, aber mit mildernden Umständen" Idee einer Zuschauerin. Diese konnten aber lediglich mit ja oder nein stimmen.

 

Eigentlich ethische Allgemeinplätze, die ein friedliches Miteinander erst ermöglichen. "Ist die Würde der Menschen im Stadion mehr wert, als die der Passagiere im Flugzeug, die durch den Abschuss zu Tode kommen?", fragt sie rhetorisch und ist damit nah an der zentralen Frage. Auch wenn diese nur noch wenige Minuten zu leben hätten, dürfte man "ihr Leben nicht durch den Abschuss verkürzen". Da geht es um die Autorität des Staates, der durch die unverrückbaren Prinzipien zum Spielball der Terroristen werden kann. Meint zumindest der nonchalante Verteidiger Biegler, gespielt von Christoph Schlemmer. Als er viel zu spät, mit Coffee to go in der Hand und Hosenklammern an den Beinen in den Gerichtssaal hastet, wird er vom vorsitzenden Richter ermahnt: "Jetzt ziehen Sie sich erstmal Ihre Robe an!" So schafft man unterbewusst Sympathien im Publikum, die in eine bestimmte Richtung ausschlagen sollen - während gegen diesen Colombo artigen Verteidiger eine überkorrekte Staatsanwältin agiert.

 

Wer ist verantwortlich?

 

Dabei sind die Verantwortlichen für diese Extremsituation, in der Lars Koch als prinzipientreuer Major der Luftwaffe das vollbesetzte Flugzeug abschießt, ganz woanders zu suchen. Der Krisenstab, der zur Lagebesprechung in der Nato-Basis für die Luftraumüberwachung bei Uedem zusammenkommt, erscheint in der Verhandlung als zu zögerlich. "Hätten Sie das Stadion nicht räumen lassen können?" fragt die Staatsanwältin den Zeugen Oberstleutnant Christian Lauterbach, zackig und durchs Militär verbrämt dargestellt von Peter Donath. Dieser hat als Vorgesetzter des jetzt Angeklagten auch im Kontakt unmittelbar mit dem Verteidigungsminister gestanden, der wiederum den Abschussbefehl verweigerte.

 

"Die Räumung der Allianz-Arena hätte 15 Minuten gedauert laut Katastrophenplan"; so Staatsanwältin Nelson. Doch darüber wurde vom Krisenstab nicht nachgedacht, und die Zuschauer erleben einen drucksenden Zeugen Lauterbach. So ist das Urteil für den Freispruch zu früh erwartbar - eine Zuschauerin fasste ihre Meinung in diplomatische Worte: "Der Pilot hätte verurteilt werden müssen für den Abschuss der 164 Flugzeugpassagiere - aber mildernde Umstände für die Rettung de 70.000!" Sicherlich nicht schlecht, jedoch die Zuschauer konnten nur mit ja und nein urteilen....

 

Von Stephan Sadowski

 

 

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Zum Start ein Dinner für Spinner

 

Theaterfreunde kommen jetzt wieder auf ihre Kosten. Sonntagabend begann die neue Saison. Ein Auftakt mit einem überragenden Ex-TV-Hausmeister Tom Gerhard

 

von Stefan Sadowski

 

Das Theaterstück "Dinner für Spinner" geschrieben von Francis Veber, ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine unglückliche Verkettung von Ereignissen einen Menschen in den Ruin stürzen kann - fast jedenfalls. Fast im Knast landet nämlich der erfolgreiche Verleger Peter Küsenberg, zum Verzweifeln gespielt von Moritz Lindbergh. Zusammen mit seinen Kumpels aus der High-Society macht er sich einen Spass daraus, irgendwelche Freaks mit außergewöhnlichem Hobby bei einem gemeinsamen Abendessen vorzuführen, und zu verhöhnen. Doch dieses Dinner findet nicht statt.

 

"Sind da auch Dackel bei?"

Denn Peter hat die Rechnung ohne den Finanzbeamten Matthias Bommes, gespielt vom überragenden Tom Gerhardt, gemacht. Matthias baut, seitdem ihn seine Frau verlassen hat, Modelle berühmter Bauwerke mit Streichhölzern nach: "Von vier bis 40.000 Stück. Erst gerade habe ich die Leverkusener Brücke an der A1 fertiggestellt!"

 

Lokalkolorit darf nicht fehlen in dem Stück, aber Tom Gerhardt spielt diesen nervösen Finanzbeamten so wunderbar halbautistisch wie man es aus seinen Hausmeister-Krause-Comedysitcoms aus den 1990ern kennt, und selbst seine Vorliebe für gewisse Hunde hat er nicht verloren: "Sind da auch Dackel bei?" fragt er später, als Peters Geliebte Marlen von ihren Hunden erzählt.

 

Kein Fettnäpfchen lässt Matthias aus: Als Peters Frau Christine (Tina Seidel) in der Wohnung auftaucht, hält er diese für Peters mannstolle Geliebte Marlen und erzählt der Ehefrau natürlich unweigerlich, wie oft Peter es mit Marlen in der Woche "treibt", nachdem er kurz von diesem gebrieft wurde. Christine ergreift die Flucht. Wunderschön hanebüchen wird es dann, als Matthias auch noch den Steuerfahnder Ludwig Busch (überkorrekt: Stefan Preiss) auf den Plan bringt, weil der als einziger weiß, wo die Wohnung des vermeintlichen Liebhabers von Peters Frau ist - Grund: Der neue "Lover" Baumann ist ein Fall in seinen Akten. "Von wegen Liebesnest - das ist eine richtige Bumsbude da!", krakelt Ludwig zur Belustigung der etwa 700 Zuschauer in der Rheinhausen-Halle, als er die Adresse verrät.

 

Verwechslungen und Turbulenzen

Jedenfalls gerät Peter jetzt selbst unter Druck, da er Bilder, die aus Schwarzgeldgeschäften resultierten, mal eben schnell vor dem Erscheinen des Steuerfahnders Ludwig verstecken musste. Lustig ist auch, wie der schummelnde Verleger dann einen 96er Rothschild-Wein mit Essig streckt - nur damit Ludwig nichts von seinem Reichtum bemerkt - und die Zuschauer selbst aus dem Prusten nicht mehr heraus kommen, als der Finanzbeamte röchelnd den gepanschten Wein probiert.

 

Die Verwechslungen und Turbulenzen steigern sich immer mehr, Ludwig selbst werden noch von "Bumsbock" Baumann "Hörner aufgesetzt", und der Steuerfahnder entdeckt Peters illegal beschaffte Kunstwerke in der Abstellkammer - nur am Ende merkt Matthias der das ganze Chaos angezettelt hat, dass er eigentlich nur vorgeführt werden sollte bei diesem "Dinner für Spinner - und sich wissentlich an Peter dafür gerächt hat.

 

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Festakt zum 70 - jährigen Bestehen

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Vor dem Theaterstück gab es einen kleinen Festakt von der Vereinigung für Kunst und

Wissenschaft Rheinhausen e.V., die in dieser Spielzeit ihr 70-jähriges Bestehen feiert

 

Es gab Reden vom 1. Vorsitzenden Wilhelm Breidenbach und von Max Bader, dem

künstlerischen Leiter der Konzertdirektion Landgraf, die seit langer Zeit das

Theaterprogramm mit der Vereinigung bestreitet. Eingerahmt war der Akt von

Beitägen von Hüsch-Rezitator Joachim Henn und dem Musikensemble DUO Juno.

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Vereinigung für Kunst und Wissenschaft Rheinhausen e.V. © 2010