Ihre Stimme für  unsere Rheinhausen-Halle






Zur Sache: Schließung der Rheinhausen-Halle


Wir haben auch die Rheinhausener Kabarettisten Uli Masuth und Wolfgang Trepper gebeten, uns in dem Bemühen, die Schließung der Rheinhausen-Halle abzuwenden, durch ihre Stellungnahme zu unterstützen.

Dieses tat Uli Masuth.

Hier seine Stellungnahme:


Duisburg - Von der Kulturhauptstadt zur Kulturbannmeile


Drei Jahre ist es jetzt her, dass Frau Masuth und ich von Friemersheim nach Weimar gezogen sind. Und wenn wir auch längst in Weimar "angekommen" sind. lassen mich Nachrichten über Duisburg nicht kalt. Besonders auch deshalb, weil es im Prinzip nur schlechte Nachrichten sind, die mich immer wieder erreichen. Gut, es gab sie, die "Gute Nachricht", Adolf Sauerland ist abgewählt! Aber sonst?


Vor allem im Bereich Kultur, und um den soll es hier gehen, reihte sich eine Hiobsbotschaft an die andere: das "Hundertmeister" wurde ebenso abgewickelt wie das Theater am Marientor, die "Akzente", die in diesem Jahr, wenn auch in abgespeckter Form noch stattfinden, wird es, wenn überhaupt, wohl nur noch alle zwei Jahre geben und auch ein anderes kulturelles Aushängschild, das international renomietre "Traumzeit-Festival" wurde erledigt. Und das praktisch im Handstreich und en passent! (Auf die Ungeheuerlichkeiten, die man in diesem Zusammenhang lesen konnte, soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden, entsprechende Informationen finden sich zu Hauf im Netz.) Zur Disposition stehen des weiteren: das Kinder- und Jugendkulturangebot "Spielkorb", das "ReibeKuchenTheater", die Cubus-Kunsthalle, das Filmforum, sogar die Niederrheinische Musikschule sollte dem Rotstift zum Opfer fallen. (Ja ja, ist ja nicht eingetreten, aber allein die Tatsache, dass man überhaupt darüber nachgedacht hat, ist doch mehr als bedenklich!) Die besorgniserregende Entwicklung gipfelt nun in der geplanten Schließung der Rheinhausen-Halle und in das drohende Ende der seit 1956 bestehenden Opernehe der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf - Duisburg. Darüber hinaus sorgen in Verruf geratene kulturelle Prestigeobjekte wie Küppersmühle und Landesarchiv überregional für Aufmerksamkeit. Eins kann man jedenfalls sagen: über mangelnde Schlagzeilen konnte sich Duisburg in den vergangenden drei Jahren wahrhaftig nicht beklagen.


Befragt man politisch Verantwortlliche nach dem Grund für den "kulturellen Kahlschlag", lautet die Antwort in der Regel, dass man sich angesichts der angespannten Haushaltslage gezwungen sehe, zu sparen. Überraschung! Übrigens, überall muss zur Zeit gespart werden. Ohne sparen geht anscheinend gar nix mehr. Doch wohin man auch schaut, gespart wird immer wieder am falschen Ende. Bei HARTZ-IV- Empfängern wird gespart, bei der Bildung wird gespart, vielen Reichen und Superreichen erspart die Regierung das Steuern zahlen, und nicht wenige Politiker sparen am eigenen Verstand. Auf der anderen Seite stehen für Großprojekte -mit zweifelhaften Nutzen- wie Stuttgart21, ebenso Milliarden zur Verfügung, die verbuddelt werden können, wie für unser notleidenden Banken und Bankster, die sich selber in die Scheiße verspekuliert haben und nun mit Steuergeldern gerettet werden müssen. Das aber nur nebenbei. Und weil "die Kultur", anders als Banken, Chemie- oder Pharmaindustrie eben nicht mit einer schlagkräftigen Lobby aufwarten kann, sind Einschnitte im Kulturetat besonders leicht durchzusetzen. So wird man auch im Duisburger Rathaus gedacht haben.


Doch siehe da, es organisiert sich Widerstand. Widerstand von Bürgern, die erkannt haben, dass es bei diesem "Streichkonzert" um mehr geht als den Stadtsäckel, nämlich um das Erscheinungsbild einer ganzen Stadt und die Frage, ob man in einer Stadt leben möchte, in der sich das kulturelle Angebot (von privaten Initiativen einmal abgesehen) im Wesentlichen auf die Durchführung von Weihnachtsmarkt, Handwerkermarkt und Mittelaltermarkt beschränken? Ganz zu schweigen von der weitergehenden Frage, welche Neubürger man mit so einem Kultur-Nichtangebot wohl anzulocken gedenkt?


Dass Stadtkämmerer immerzu schauen, wo sie etwas einparen können, liegt in der Natur des Jobs, und ist bundesweit Usus. Aber dass sich ein Kulturdezernent an die Spitze der Streichkommissare setzt, sozusagen als "Kultur-Abschaff-Dezernent", das gibt es wohl nur in Duisburg. Und das Erstaunlichste ist, diesen Herrn will man sich anscheinend auch weiterhin leisten.


Dass deshalb in verschiedenen Initiativen der Widerstand wächst, ist also gut und zu begrüßen! Wirksamer wären allerdings Proteste, die nicht nur das eigene Projekt im Auge haben, -das auch, aber eben nicht nur- sondern darüber hinaus die kulturelle Gesamtentwicklung in der Stadt. So sind, zum Beispiel, Proteste gegen die Abschaffung de "Traumzeit-Festivals" im Grunde auch Proteste gegen die Schließung der Rheinhausen-Halle und umgekehrt. Es geht immer um "die Kultur"! Und das ist eben mehr als eine Abendveranstaltung hier oder da. Kultur ist die Art und Weise, wie wir unser Leben gestalten wollen. Der Nährboden für ein fortschrittliches, tolerantes Klima einer Gesellschaft. Unverzichtbar! Was der holländische Kommnikationswissenschaftler Fons Trompenaars einmal so beschrieben hat: "Ein Fisch spürt erst dann, das er Wasser zum Leben braucht, wenn er nicht mehr darin schwimmt. Unsere Kultur ist für uns wie das Wasser für den Fisch. Wir leben und atmen durch sie." Das scheinen viele Verantwortliche in Duisburg aber nicht zu begreifen. Vielleicht weil sie es nicht begreifen können?


Gut, wollte man eine Pointe formulieren, könnte man sagen: In Duisburg ist immer schon abgebaut worden. Früher Kohle... heute Kultur. Aber wir sind ja nicht im Kabarett. 


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Wir hatten die Konzertdirektion Landgraf gebeten zur beabsichtigten Schließung der Rheinhausen-Halle aus ihrer Sicht eine Stellungnahme

abzugeben.

Die nachstehende Stellungnahme wurde von Landgraf den Fraktionen im Rat der Stadt Duisburg übermittelt.


Zur Sache: Schließung der Rheinhausen-Halle


Stellung nehmen

B i r g i t  u n d  J o a c h i m  L a n d g r a f

im Namen auch der künstlerischen, administrativen und technischen Mitarbeiter der Konzertdirektion Landgraf


Seit 25 Jahren kooperiert der Verein für Kunst und Wissenschaft in Duisburg-Rheinhausen mit der Konzertdirektion Landgraf bei der Durchführung eines Theater-, Ballett- und Musiktheater Spielplanes.



An die Duisburger Ratsfraktionen


Sehr gehrte Damen und Herren,


mit großer Verwunderung und Besorgnis haben wir erfahren, dass Sie in Erwägung ziehen, die Rheinhausen-Halle zu schließen.


Derartige Überlegungen kamen bereits in den 90er Jahren zur Sprache, wurden aber bereits damals vehement und erfolgreich abgewehrt. 1. vgl.z.B. WAZ (u.a. 11.05.12)


Wir sind der Ansicht, dass auch zum jetzigen Zeitpunkt die Schließung der Rheinhausen-Halle ein schwerer kulturpolitischer Fehler wäre. In Zeiten großer Sparprogramme erkennt man auch in der Politik die dringende Notwendigkeit, das kulturelle Angebot in den Städten und Gemeinden zu erhalten und zu fördern. Wir schließen uns der Meinung von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) an, der sich mit einem klaren Nein gegen Sparbestrebungen bei der Kulturförderung ausgesprochen hat. Wie Herr Neumann sind auch wir der Auffassung, dass "Ausgaben für Kultur Investionen in die Zukunft sind".


Das Wort "Sparen" wird immer wieder im Zusammenhang mit der Schließung der Rheinhausen-Halle erwähnt. Die öffentliche Kritik an den von der Stadt genannten Zahlen und Defiziten lässt aber vermuten, dass hinter dem Begriff "Sparen" auch etwas anderes steht, nämlich die Absicht aus dem kulturellen ebenso wie aus dem materiellen Kapital, welches die Rheinhausen-Halle darstellt, ein Spekulationsobjekt zu machen.


Die Qualität der Rheinhausen-Halle ist weithin bekannt. Die Halle stellt sowohl aufgrund ihres Standortes, ihrer Tradition, aufgrund des Charakters des Gebäudes und dessen technischer Ausstattung im gesamtdeutschen Vergleich ein gutes Gastspieltheater dar.


Als kulturelles Zentrum mit vielfältgem Angebot und Veranstaltungen verschiedenster Genre hat sich die Rheinhausen-Halle über Jahre bewährt.


Der Erfolg des Programms der Rheinhausen-Halle ist durch die Kontinuität seit der Inbetriebname bewiesen. Für die höchst ökonomische Durchführung eines inhaltllich und qualitätsmäßig anspruchsvollen Theater-, Ballett- und Musiktheater-Spielplans steht beispielhaft die 25jährige Kooperation des Vereis für Kunst und Wissenschaft in Duisburg-Rheinhausen mit der Konzertdirktion Landgraf.


Mit gleichem Engagement teilen die Partner inhaltliche wie finanzielle Veantwortung. Die Kosten-Nutzung-Rechnung der Halle beweist, dass es unseren Partnern in der Spielzeit 2012/2013 möglich ist, ohne jegliche städtische Subventionen eine Theaterreihe mit sechs Vorstellungen durchzuführen, darunter auch zwei aufwändige Musicals. Diese finanzielle Stabilität ist besonders zurückzuführen auf das ehrenamtliche Engament der Mitglieder des Vereins für Kunst und Wissenschaft sowie auf die Verlässlichkeit und das kulturelle Interesse der Duiburger Theaterbesucher. 432 Abonenten hielten dem Theater und damit der Rheinhausen-Halle in der Spielzeit 2011/2012 die Treue. Mehr als 650 Besucher kamen im Schnitt zu den Veranstaltungen. Und die Tendenz ist steigend.


Die Schließung der Rheinhausen-Halle würde das Ende der Theaterreihe bedeuten, die Abonenten müssten auf die Theaterabende und die Stadt Duisburg auf ein attraktives, von vielen ihrer aktiven Bürger mit gestaltetes Angebot verzichten. Es wäre ein schwerer Rückschlag für die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins für Kultur und Wissenschaft, deren großes persönliches Engaement beispielhaft für eine gelungene kulturpoliische Mitgestaltung des Gemeinwesens sein sollte.


Auch die geschäftliche Seite der Zusammenarbeit zwischen der Vereinigung für Kunst und Wissenschaft bzw. dem Kulturamt Rheinhausen und der Konzertdirektion Landgraf kann als beispielgebend für kulturpolitische Mitbestimmung bezeichnet werden. Mit dem "Aus" für die Rheinhausen-Halle würde dieses auch finanziell erfolgreiche und eigentklich zur Nachahmung empfehlenswerte Projekt aus Spargründen einfach aus der Welt geschafft.


Wir hoffen auf eine zukunftsorientierte Entscheidung zugunsten der Weiterführung der Rheinhausen-Halle, damit es auch weiterhin möglich sein wird, die Vielfalt des kulturellen Angebots der Stadt Duisburg wahzunehmen und aktiv mit zu gestalten.


Mit freundlichen Grüßen


Joachim und Birgit Landgraf


   





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Bestürzung und Enttäuschung macht sich breit


Es ist gerade ein paar Tage her, da berichtete die Theatergemeinschaft "Konzertdirektion Landgraf, das Bezirksamt Rheinhausen und die Vereinigung für Kunst und Wissenschaft Rheinhausen e.V. wieder  einmal stolz über eine  erfolgreich abgeschlossene Theaterspielzeit 2011/12 in der Rheinhausen-Halle. Mehr als 4100 begeisterte Zuschauer besuchten die sechs Veranstaltungen der Spielzeit 2011/12, plus 1000 Besucher der beiden Sonderveranstaltungen mit Rheinhauser Kabarettisten.

Dann wie aus dem Ärmel gezogen und vor allen Dingen jeglicher Missachtung der Bedeutung der Rheinhausn-Halle für den Duisburger Westen die Ankündigung in der Tagespresse über eine eventuelle Schließung der Halle!

Dass die Pforten der "Guten Stube Rheinhausens" für immer geschlossen werden sollen, kann sich hier niemand vorstellen.

Wie ein Faustschlag ins Gesicht trifft es gleichermaßen die zahlreichen Zuschauer, die übrigens mittlerweile aus einem weiten Umfeld anreisen, sowie die vielen ehrenamtlich Tätigen in den Vereinen, die ohne Nutzung der Rheinhausen-Halle ihre Veranstaltungen abschreiben können. Hier würde dass so hochgelobte Ehrenamt mit Füßen getreten.

Bei den Überlegungen, die Rheinhause-Halle zu schließen, halten wir es aus der Perspektive der Vereinigung für Kunst und Wissenschaft e.V. für bedenkens- und beachtenswert und in der Bevölkerung nicht zu unterschätzen, dass


          -   die Rheinhausen-Halle sowohl aufgrund ihres Standortes, ihrer mittlerweile        errungenen  Tradition, (Theatervorstellungen gab es in Rheinhausen bereits seit den 30er Jahren, und in der Rheinhausen-Halle seit ihrer Eröffnung) ihres Charakters, sowie ihrer technischen Ausstattung im gesamtdeutschen Vergleich ein überdurchschnittlich gutes Gastspieltheater darstellt, was von allen hier gastierenden Bühnen bestätigt wird.


          -   sich die Rheinhausen-Halle als kulturelles Zentrum im Westen unserer Stadt mit dem vielfältigen Angebot und Veranstaltungen verschiedenster Genres über Jahrzehnte bewährt hat.


          -  die Rheinhausen-Halle aus Sicht der Theatergemeinschaft (die Kooperation besteht mit der kommenden Spielzeit seit 25 Jahren) als Spielstätte für Theaterveranstaltungen nicht nur bei der Bevölkrung Rheinhausens, sondern offensichtlich darüber hinaus bei vielen Theaterfreunden aus anderen Stadtbezirken und Nachbarstädten, selbst aus den Niederlanden - also einem wachsenden Einzugsgebiet - steigendes Intersse findet.


          -   die Schließung der Rheinhausen-Halle als kultureller Mittelpunkt im Duisburger Westen in einem der größten Stadtbezirke als Gegenmaßnahme wider kultureller Bedürfnisse von nur wenigen Mitbürgern zu begreifen wäre.


          -   eine "tote" und "vor sich hindümpelnde" Rheinhausen-Halle ein weiterer negativer Punkt für das Images unseres Stadtbezirkes bedeuten würde.


          -   sich durch den Erhalt der Rheinhausen-Halle mit lebendiger Kultur und Angeboten für Jung und Alt gesellschaftliche Probleme eher bewältigen lassen als in kulturell toten Gebieten.


          -   die Zusammenarbeit mit der Konzertdirektion Landgraf, dem Bezirksamt und der Vereinigung bei Theaterveranstaltungen in der Rheinhausen-Halle im Hinblick auf die Aufrechterhaltung eines hochkarätigen Theaterangebotes als beispielgebend in der Region bezeichnet werden kann. Mit gleichem Engement teilen die Partner inhaltliche wie finanzielle Verantwortung.


Nicht zuletzt sei noch zu erwähnen, dass die noch bestehende Theatergemeinschaft dank der Unterstützung des Bauverein Rheinhausen und der Sparkasse Duisburg auch ohne städtischen Zuschuss der Stadt Duiisburg für die Spielzeit 2012/13 ein attraktives Theaterprogramm erstellt hat.


Mit dem "Aus" für die Rheinhausen-Halle würde auch dieses bewährte und zur Nachahmung empfehlenswerte und zukunftsweisende Projekt, gerade in Zeiten flächendeckender Einsparungen öffentlicher Mittel, auf dem Kultursektor aus der Welt geschaffen.


Nicht nur tausende Theaterfreunde hoffen auf eine sinnvolle und zukunftsorientierte Entscheidung zugunsten der Weiterführung der Rheinhausen-Halle, damit das traditionsreiche, vielfältige, kulturelle Leben in unserem Stadtbezirk erhalten bleibt.





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